I N T E R V I E W
„Für innovative Nachhaltigkeitsideen muss es in der
Wirtschaft Anschieber geben“
Im Auftrag der Bundesregierung entwickelt der Rat für Nachhaltige Entwicklung Vorschläge zu Zielen und Indikatoren zur Fortentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie. Er schlägt konkrete Projekte zur Umsetzung dieser Strategie vor und berät die Regierung in ihrer Nachhaltigkeitspolitik.
Dr. Volker Hauff, Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung, und Dr. Herbert Lütkestratkötter, Vorsitzender des Vorstands von HOCHTIEF, sprachen mit der Redaktion des Nachhaltigkeitsberichts über die Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit .
Herr Dr. Hauff, was sind Ihre Beweggründe für Ihr großes Engagement?
Dr. Volker Hauff: Das Thema beschäftigt mich seit mehr als 30 Jahren. Zunächst in meiner Zeit im Forschungsministerium. Die nächste Station in meiner persönlichen Entwicklung war die Mitarbeit in der Brundtland-Kommission*. In dem Bericht, den wir 1987 vorgelegt haben, bildet der Begriff "Sustainable Development" den roten Faden für alle benannten Handlungsfelder. Wir hatten in dem Bericht eine Empfehlung ausgesprochen, von der wir zunächst dachten, sie sei eher nebensächlich: Es sollte eine internationale Konferenz der Staats- und Regierungschefs stattfinden. Das war vermutlich unsere wichtigste Empfehlung, denn deswegen gab es 1992 den "World Summit of Environment and Development" in Rio. Zehn Jahre später trafen sich die Verantwortlichen in Johannesburg. Das war dann übrigens schon der "World Summit on Sustainable Development" - so hat sich der Begriff im Laufe der Zeit entwickelt. Im Zusammenhang mit der Entwicklung einer nachhaltigen Strategie im Vorfeld von Johannesburg hat die Bundesregierung den Rat für Nachhaltige Entwicklung berufen - als beratendes Gremium, in dem die Zivilgesellschaft in ihrer Vielfalt vertreten ist.Warum ich mich für die Arbeit zur Nachhaltigkeit interessiere, hat einen einfachen Grund: Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass sie das beherrschende Thema dieses Jahrhunderts sein wird.
Welchen Stellenwert hat das nachhaltige Handeln bei HOCHTIEF?
Dr. Herbert Lütkestratkötter: Als international aufgestelltes Unternehmen fühlen wir uns verpflichtet, nachhaltig zu handeln und dabei auch eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Wir sind nach wie vor unter den Bauunternehmen im deutschsprachigen Raum das einzige Unternehmen, das einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Warum tun wir das? Zum einen, weil Nachhaltigkeit einen zunehmend größeren Raum bei uns einnimmt - auch für die 50 000 Mitarbeiter bei HOCHTIEF, die stolz auf die Leistungen ihres Konzerns sind. Zum anderen ist das Thema Nachhaltigkeit für uns natürlich auch von wirtschaftlicher Bedeutung. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele. Unsere amerikanische Tochtergesellschaft Turner etwa hat schon zirka 200 so genannte "Green Buildings" in den USA errichtet. Mit dem WestendDuo in Frankfurt haben wir ein besonders energieeffizientes Gebäude realisiert. Wir konnten die Büroimmobilie gut vermarkten, obwohl zu dieser Zeit in Frankfurt zwei Mio. Quadratmeter Büroflächen leer standen. Im Bereich Facility- Management haben wir die Bewirtschaftung eines großen Klinikums in Augsburg übernommen und erst einmal die gesamte Energietechnik überarbeitet: Künftig werden dort 17 000 Tonnen CO2 vermieden. Nachhaltigkeit ist also Teil unseres täglichen Geschäfts. Das Thema geht bei uns aber weit über den Umweltschutz hinaus. Von der Arbeitssicherheit bis hin zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf - alle diese Faktoren nehmen wir sehr ernst und arbeiten daran. Das honoriert übrigens auch der Finanzmarkt: Unsere Aktie ist im Jahr 2006 in den Dow Jones Sustainability Index aufgenommen worden. Im September diesen Jahres haben wir uns auch für das Jahr 2008 qualifiziert.Mit welchen Strategien treiben Sie die nachhaltige Entwicklung voran?
Dr. Hauff: Wir haben einen klaren Auftrag der Regierung, der aus drei Punkten besteht. Der erste: Wir sollen die Regierung beraten. Zweitens schlagen wir konkrete Projekte, wie zum Beispiel eine Kampagne zu nachhaltigem Konsum, vor. Drittens ist es unsere Aufgabe, den öffentlichen Dialog anzuregen und zu führen. Wir arbeiten dabei mit Schulen zusammen, loben Wettbewerbe aus und veranstalten jedes Jahr eine große Konferenz. Worauf es uns bei unserer Arbeit ankommt: Wir machen deutlich, dass Nachhaltigkeit sehr viel mehr bedeutet als Umweltschutz. Es bedeutet Wachstum - auch wirtschaftliches Wachstum - gekoppelt mit sozialer Gerechtigkeit und einer Verantwortung für eine natürliche Umwelt.



